Der Falke 4/2017

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Schwerpunkte
  • Letzter Tiefland-Urwald Europas: Waldwildnis Bialowieza
  • Farbenfroh, selten oder gefährdet: Europas Meerenten
  • Vogelwelt aktuell: Winter 2016/17

Białowieza-Urwald (Foto: Białowieza-Nationalpark)

Peter Mende:
Seltene Vögel im Tiefland-Urwald: Waldwildnis Bialowieza

Am nordöstlichen Rand Mitteleuropas erstreckt sich zu einem Drittel auf polnischem und zu zwei Dritteln auf weißrussischem Boden der legendäre Waldkomplex der Puszcza Bialowieska (Bialowieza Urwald). Jahrhundertelang war das heutige Naturreservat privates Jagdgebiet polnischer Könige, litauischer Fürsten und russischer Zaren und ist deshalb weitestgehend unbesiedelt geblieben. In Teilen nahezu unberührte Altholzbestände aus Eichen, Fichten, Kiefern, Eschen, Linden und Hainbuchen mit einigen jahrhundertealten Bäumen bilden den letzten Tiefland-Urwald Europas. Ausdehnung, Struktur und Vielfalt der Habitate lassen einen Reichtum an Vogelarten zu, von denen viele im übrigen Europa durch Strukturveränderungen und Lebensraumverlust bereits verschwunden oder sehr selten geworden sind.


Prachteiderenten-Männchen (Foto: J. Melchers)

Johannes Melchers:
Treffpunkt Varanger-Halbinsel: Europas arktische Meerenten

Meerenten zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Lebensräume im offenen Meer, Küstennähe oder Flussmündungen liegen. Drei der auf dem europäischen Festland vorkommenden Arten brüten überwiegend in der arktischen Tundra, wobei ihr Lebensraum bis etwa 1200?km an den Nordpol heranreicht. Dazu gehören die farbenfrohe Prachteiderente und die seltene Scheckente, die auf dem westeuropäischen Festland nur im Winter beobachtet werden können. Im Herbst, wenn in der Arktis das Meer zufriert, ziehen die nordrussischen bzw. westsibirischen Populationen nach Westen, wo der Golfstrom für ein milderes Klima und offenes Wasser sorgt. So trifft ein Großteil der russischen und westsibirischen Meerenten auf den äußersten Nordosten Norwegens, wo die Scheckente ihre westliche Verbreitungsgrenze erreicht. Die häufigste arktische Meerente auf dem europäischen Festland ist die Eisente, die aufgrund dramatischer Bestandseinbrüche zum Meeresvogel des Jahres 2017 gewählt wurde.


Eismöwe (Foto: C. Wiedemann)

Christopher König, Johanna Karthäuser, Stefan Stübing, Johannes Wahl:
Vogelwelt aktuell: Winter 2016/17: Rotmilane, Bergenten und der Einflug von Eismöwen

Der Deutsche Wetterdienst fasst den Winter 2016/17 als „außergewöhnlich trocken und sehr sonnenscheinreich“ zusammen. Mit etwa 210 Sonnenstunden gehörte er sogar zu den sonnenscheinreichsten Wintern seit dem Beginn flächendeckender Messungen im Jahr 1951. Infolgedessen kam es zu klaren, teils sehr kalten Nächten. Anfang Januar fiel in weiten Teilen Deutschlands Schnee, der sich durch zahlreiche Hochdruckgebiete vielerorts bis in den Februar hielt. Das hatte zweifellos Auswirkungen auf die Anzahl und Verteilung bei uns überwinternder Rotmilane, die am ersten Januar-Wochenende im Rahmen einer internationalen Schlafplatzzählung erfasst wurden. In Newsgruppen und Mailinglisten war zu lesen, dass Meeresenten überdurchschnittlich zahlreich seien. Wir betrachten diese und dabei speziell die Bergente deshalb einmal näher. An der Nordseeküste war in den zurückliegenden Monaten ein starker Einflug von Eismöwen zu bemerken. Es ist Jahrzehnte her, dass sie in so großer Zahl an unseren Küsten auftauchten. Keine Frage also, die arktische Art ebenfalls in den Fokus zu nehmen. Nicht fehlen dürfen in unserem Rückblick auf den Winter 2016/17 natürlich auch die weiteren, zwischen Dezember und Februar in Deutschland entdeckten Seltenheiten.

Weitere Inhalte
  • Im Gespräch mit Jaroslaw Krogulec: „Die Zerstörungen haben begonnen“
  • Im Gespräch mit Josep del Hoyo: Band 2 der „Illustrated Checklist of the Birds of the World“ zu Singvögeln erschienen: Neuvermessung der gefiederten Vielfalt auf der Erde
  • Anita Schäffer: Fischflüge und Kiesbänke: Flussseeschwalbe
  • Christian Wagner, Christopher König, Christoph Moning, Felix Weiß: Naturschatz in der Stadt: Der Stadtwald Augsburg in Bayern
Veröffentlichungen
  • Deutscher Rat für Vogelschutz (Hrsg.): Berichte zum Vogelschutz 52, 2015
  • Forsman, D.: Raptors in focus – A quest to find Birds of Prey in Europe
    and Beyond
  • Lohmann, M. & B.-U. Rudolph: Die Vögel des Chiemseegebietes
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