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Falke-Sonderheft Kormoran
Die Diskussion um den richtigen Umgang mit dem Kormoran wird zwischen Naturschutzvertretern auf der einen und Fischern und Anglern auf der anderen Seite seit vielen Jahren mit großer Vehemenz und mit vielen Emotionen geführt. Fakt ist, dass Kormorane zu unserer Vogelwelt gehören und daher schützenswert sind, Fakt ist aber auch, dass Kormorane Fische fressen und viele Fischer und Angler dies sehr ungern sehen.
Mit der Wahl des Kormorans zum „Vogel des Jahres 2010“ haben der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) ein deutliches Signal gesetzt. Die beiden Verbände wollten hierdurch nach eigenen Angaben die Kormoran-Diskussion versachlichen, wogegen Teile der Fischerei- und Anglerszene die Wahl des Kormorans als Provokation empfunden haben.
Unbestritten können Kormorane unter bestimmten Umständen in der Fischwirtschaft gelegentlich ökonomische Schäden anrichten. Niemand wird dies ernsthaft leugnen. Wo die Grenze zwischen vertretbaren und akzeptablen Verlusten und einem substanziellen ökonomischen Schaden liegt, ist Diskussionssache. Wo gravierende Schäden entstehen, sollten Abwehr- und gegebenenfalls Kompensationsmaßnahmen finanziell unterstützt werden. Es hilft allerdings nicht, wenn Kormorane pauschal und wirklichkeitsfern beispielsweise für jeden im Frühjahr eingesetzten und im Herbst nicht mehr vorhandenen Karpfen verantwortlich gemacht werden oder Freizeitangler dem Kormoran schlichtweg die Daseinsberechtigung absprechen.

Mit unserem Sonderheft Kormoran wollen wir eine möglichst große Bandbreite von Aspekten zum Kormoran mit belastbaren Informationen unterfüttern und so vielleicht dazu beitragen, die Wogen in der Kormoran-Diskussion ein wenig zu glätten.

Mit Poster im Heft!
Schwerpunkte:
Der Kormoran
Schutz für einen Fischräuber?

Kormoranpaar (Foto: S. Möllers)
Jan Kieckbusch, Wilfried Knief, Christof Herrmann:
Bestandsanstieg und seine Grenzen: Brutbestandsentwicklung des Kormorans in Deutschland

Der Kormoran gehört zu den wenigen Vogelarten in Deutschland, über deren Brutbestandsentwicklung seit vielen Jahren genaue Daten vorliegen. Einst in Mitteleuropa fast aus­gerottet, sind die Bestände seit den 1980er Jahren angestiegen. In den letzten Jahren haben sich in den meisten Gebieten Mitteleuropas die Brutpaarzahlen stabilisiert. Trotzdem gibt es weiterhin heftige Diskussionen zwischen Vertretern der Fischerei und Naturschützern darüber, wie in Zukunft mit dem Kormoran umgegangen werden soll. Um die Kormoranproblematik zu verstehen, muss man die ökologischen und politischen Rahmenbedingungen kennen, die für die Bestandsentwicklung verantwortlich sind. Daher werden in diesem Beitrag neben der aktuellen Brutbestandsentwicklung in Deutschland auch kurz einige Faktoren angesprochen, die für die Entwicklung des Kormoranbestandes von Bedeutung sind.


Seeadler jagt Kormoran (Foto: J. Reich)
Thomas Brandt, Hans-Heiner Bergmann:
Kormoranfeinde Seeadler, Habicht, Uhu und Waschbär: Gejagte Jäger

Er ist heute auf jedem größeren Gewässer zu Gast. Die positive Bestandsentwicklung beim Kormoran auf dem europäischen Kontinent ist nahezu ohne Beispiel. Seit der Vogel in den 1970er Jahren unter Schutz gestellt wurde, hat sich die Population erholt und große Teile des vormaligen Verbreitungsgebietes wieder besiedelt. Wachstum ohne erkennbare Grenzen? Das führt oft sogleich zur Forderung nach Abschuss, zumal bei einem schwarzen Vogel, der Fisch frisst. Ein weiter herangezogener Grund: Es fehlen natürliche Feinde, die den Kormoranbestand „regulieren“ könnten. Aber ist das tatsächlich so? Leben Kormorane bei uns in Deutschland stressfrei und ohne natürlichen Feinddruck in der Brutkolonie wie am gemeinschaftlichen Schlafplatz?


Teichüberspannung (Foto: T. Keller)
Thomas Keller:
Methoden zur Reduzierung von Kormoranproblemen an Fischgewässern: INTERCAFE Kormoran „Toolbox“

„Konfliktminimierung und Kormoranmanagement“ sowie „Abwehrmaßnahmen und -strategien“ sind die Themen, die eine von drei Arbeitsgruppen der interdisziplinären Initiative zur Reduzierung von Kormoran-Fischerei-Konflikten INTERCAFE besonders intensiv untersucht hat. Ihre wichtigste Veröffentlichung wird die sogenannte Kormoran „Toolbox“ sein, eine Art „Werkzeugkiste“ oder „Kochbuch“ mit Erfahrungen und Erkenntnissen zur Kormoranabwehr an Fischgewässern. Diese Veröffentlichung ist Teil einer Serie von INTERCAFE-Publikationen, die dem interessierten Leser einen Überblick über die vielfältigen Facetten der Kormoranproblematik in Europa geben soll.


weitere Inhalte
Hermann Stickroth:
Bestimmung von Kormoranen

Christoph Sudfeldt:
Europaweite Synchronzählungen

Ragnar Kinzelbach:
Nomenklatur und Geschichte: Der Kormoran in Mitteleuropa

Helmut M. Winkler:
Die Nahrung des Kormorans

Thomas Brandt, Frank Niederstadt:
Kormorane und Vogelschutzgebiet bleiben unbeeinträchtigt: Kein Abschuss am Steinhuder Meer

Helmut Opitz:
Der Kormoran als „Vogel des Jahres“

Jens Hering:
Ein Überwinterungsplatz in der Sahara:
Kormorane in der Wüste

Stefan Stübing, Nicoletta Stübing:
„Handzahme“ Fischjäger in Florida: Fische, Vögel, Menschen – kein Problem!

Kommentar
Oliver Conz:
Ein politisches Lehrstück: Der Kormoran in Hessen

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