Der Falke – Sonderheft 2015

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Stadtvögel: Lebensräume – Strategien – Entwicklung

Von einfachen Brutnischen in grauen Häuserfassaden bis zu komfortablen Nestbauten in städtischen Parks und auf Friedhöfen: Dieser Falke-Sonderband beschreibt fundiert die spannenden (Über)Lebensstrategien heimischer Vögel, die als Kulturfolger in unseren Städten anzutreffen sind. Die Autoren schärfen den Blick für die unerwartete Vielfalt der dort anzutreffenden Arten, geben Beobachtungstipps und gehen detailliert auf die ökologischen Zusammenhänge ein.


Türkentauben (Foto: H.-J. Fünfstück)

Türkentauben (Foto: H.-J. Fünfstück)

Einhard Bezzel:
Stadtvögel – Herausforderungen für Forscher, Vogelbeobachter und Artenschützer

Die Hälfte der Menschen lebt heute in Städten, Tendenz steigend. Für die biologische Vielfalt bedeutet Verstädterung eine der dramatischsten Veränderungen natürlicher Ökosysteme. Ursprüngliche Vegetation wird unter undurchlässigem Material begraben oder in kleine bepflanzte Flächenteile verwandelt. Der Mensch hat die Landschaft für sich in Beschlag genommen. Was bleibt noch übrig, und wer kann mit der neuen Situation umgehen oder aus ihr Gewinn ziehen? Stadtvögel bieten ein faszinierendes Bild der Evolution vor unseren Augen, sie sind für Wissenschaftler Teil eines gewaltigen Experiments, für Naturbeobachter ein Faszinosum und für viele Städter Teil ihrer Lebensqualität.


Dohle (Foto: H.-J. Fünfstück)

Dohle (Foto: H.-J. Fünfstück)

Klaus Richarz:
Lebensräume in der Stadt

Städte wurden und werden als Lebensräume für Menschen gebaut: zum Wohnen, zum Arbeiten, zum Erleben in der Freizeit und zum kurzen Stopp auf der Durchreise. In unsere Städte zieht es nicht nur immer mehr Menschen, die dem Traum – manchmal wohl auch dem Albtraum – vom urbanen Leben frönen. Seitdem es Städte gibt, fliegen dort auch Vogelarten ein: zum Brüten, zur Nahrungssuche, zum Nächtigen, auf der Durchreise und zum Überwintern. Und die Gefiederten werden, ähnlich den menschlichen Stadtbewohnern und -besuchern, immer mehr. Was Menschen an Städten schätzen und worunter sie leiden, weiß man. Wo die Attraktivität städtischer Lebensräume für Vögel herkommt und wo die Grenzen der Nutzbarkeit liegen, will dieser Beitrag aufhellen.


Küstenseeschwalben (Foto: J. Goedelt)

Küstenseeschwalben (Foto: J. Goedelt)

Jan Goedelt:
Sicher vor Menschen, Mardern und Füchsen: Vom Boden auf das Dach

In Schleswig-Holstein ist seit rund zwanzig Jahren eine Zunahme dachbrütender Austern­fischer, Seeschwalben und Möwen festzustellen. Auch im Hamburger Raum sind vermehrt Dachbruten beobachtet worden. Während sich auf ausgedehnten Flachdächern größerer Gewerbebetriebe oder öffentlicher Gebäude regelrechte Möwenkolonien angesiedelt haben, in die sich Austernfischer, Kiebitze und auch Gänse mischen, finden sich brütende Möwen auf Simsen und Spitzdächern von Wohnhäusern nur in geringerer Anzahl. Auch Flussseeschwalben brüten an der Ostseeküste regelmäßig auf Flachdächern. Dieses Phänomen der Dachbruten ist in anderen europäischen Ländern sowie den USA keine Seltenheit. Dort lässt sich – wie bei uns – ebenso ein Anstieg von Dachbruten verzeichnen. In Großbritannien wird die Gesamtzahl brütender Möwen sogar auf weit mehr als 120000 Paare taxiert. Was aber veranlasst Vögel, sich inmitten des Siedlungsraums niederzulassen, um dort ihre Jungen großzuziehen?

Weitere Inhalte
  • Einhard Bezzel: Artenlisten in der Stadt: Stadtvögel auf Besuch
  • Jan Goedelt: Ruhestätten voller Vogelleben: Friedhöfe
  • Hermann Stickroth: Vögel in Kleingartenanlagen: Oasen in der Stadt
  • Jens Scharon: Großer Tiergarten in Berlin: Wandel der Vogelwelt
  • Dieter Thomas Tietze, Julia Schäfer, Marcel Janocha: Verändert Stadtleben den Vogelgesang? City Slang bei Singvögeln
  • Markus Nipkow, Thorsten Krüger: Wie das Zusammenleben gelingen kann: Nachbar Saatkrähe
  • Sylvia Weber: Tierhaltung im Stadtgebiet: Voraussetzung für Rauchschwalbenbruten?
  • Sylvia Weber: Haussperlinge in München und Berlin: Lebensraumansprüche eines Allerweltsvogels
  • Anita Schäffer: Gar nicht so schwierig: Dachwohnungen für Luftikusse
  • Anita Schäffer: Vogelfütterung an Balkon und Fenster
  • Peter Wegner: Eroberung des urbanen Lebensraumes: Wanderfalken – wovon leben sie?
  • Gerhard Kooiker: „Gartenamseln“: Hohe Brutverluste, zahlreiche Nachgelege
  • Neststandorte in der Stadt
  • Felix Weiß, Christian Wagner, Christopher König, Christoph Moning: Kiel in Schleswig-Holstein – Vögel beobachten in der Großstadt
  • Alf Pille: Vielfalt im Biergarten
Veröffentlichungen
  • Kelcey, J. G. & G. Rheinwald: Birds in European Cities
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